Geschichte St.Pius

St. PiusX. - Einweihung -

 

Geschichte der Filialkirche St. Pius X. in  Robern                                            

 Auf dem Platz , auf dem unsere Kirche steht, stand früher ein Wohnhaus (Bild 1 unten ), das zum Pachthof gehörte. Dieser Pachthof wurde Anfang des 18. Jahrhunderts (1701-1730) erbaut und ist nach dem Einschätzungsverzeichnis der Feuerversicherung um 1860

herum (1859 - 1880) erweitert, renoviert und z.T. neu erbaut worden.
Der Pachthof war im Besitz der evangelischen Stiftschaffnei in
Mosbach und bestand aus einem geschlossenen Hof, der in der               
heutigen Wagenschwender-Straße und zur Krumbacher-Straße durch
Hoftore geschlossen war. Es gehörten außer der Hofraite (v. 13 ar 50)
noch Äcker und Wiesen in der Größenordnung von rund 84 ha dazu.
Der Name Pachthof geht darauf zurück, daß dieses Hofgut jeweils
an interessierte Landwirte verpachtet wurde.
Die beiden letzten Pächter waren nach den vorliegenden Unterlagen die Familien Quenzer und Schmutz.
Ein Teil der Einwohner von Robern fand damals bei den Pächtern Beschäftigung als Knechte / Mägde oder Taglöhner.
Im Jahre 1893 kam das Hofgut zum Verkauf. Interessenten
waren Juden aus Eberbach und der letzte Pächter Schmutz.
Aber auch die Gemeinde Robern, besonders der damalige
Bürgermeister Valentin Schreibeis waren zum Kauf entschlossen.
Obwohl nur der Ratschreiber und ein Gemeinderat
für dieses Objekt waren, fuhr der Bürgermeister zum evang. Oberkirchenrat nach Karlsruhe, um den Pachthof für die Gemeinde
zu erwerben.
Allerdings, der Zeit entsprechend nicht bequem mit dem Auto, wie wir es heute gewohnt sind, sondern früh morgens um 3 Uhr zu Fuß nach Mosbach und von dort mit der Bahn nach Karlsruhe.
Aber sein Einsatz hat sich gelohnt. Es gelang ihm den gesamten Pachthof zum Preis von 63000,- Mark für die Gemeinde zu erwerben. Nachdem die Gemeindeverwaltung offenbar nicht genügend Sicherheiten bieten konnte, hat Bgm. Valentin Schreibeis mit seinem eigenen Anwesen gebürgt.
Um das ganze bezahlen zu können, wurden dann die Äcker und Wiesen durch die Gemeinde öffentlich versteigert. Diese lief so gut und brachte soviel ein, dass die gesamten Gebäude und einige größere Grundstücke, darunter
- der Pächters Garten (später das erste Siedlungsgebiet in Robern)
- die Lehmgrube (trägt heute die Sportanlagen)
- der Schafgarten (auf dem das heutige Dorfgemeinschaftshaus steht)
- und das Baumstück  der Gemeinde verblieben.
Für Robern war das ein wahrer Segen. So konnten bereits ortsansässige Landwirte durch Zukauf von Äckern und Wiesen ihre Betriebe rentabler gestalten. Einige Familien konnten sich dadurch eine Existenz schaffen und im Ort ansiedeln.
Das Wohnhaus des Pachthof wurde derzeit auch von 3 jungen Familien als Wohnraum genutzt, bis sie in der Lage waren , sich eigene Häuser zu bauen.

1910 wurde das Wohnhaus um eine Lehrerwohung und einen weiteren Schulsaal erweitert, da sich die Schülerzahl in Robern stark vermehrt hatte.
Am Ende des 2. Weltkrieges war der Odenwald amerikanische Besatzungszone.
Durch die Anordnung einer allgemeinen Ausgangssperre, konnten die Roberner Katholiken die Kirche in Fahrenbach nicht besuchen.
Aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch! So kam es, daß im April1945 im Schulsaal des Pachthofs der 1. Gottesdienst in Robern gehalten wurde.
Dieser Schulsaal wurde auch später regelmäßig für Gottesdienste genutzt; und zwar ab Dezember 1945 einmal im Monat - werktags-
eine heilige Messe.
Der Wunsch, in Robern eine eigene Kirche zu haben, geht sehr weit zurück. Auf Initiative von Hauptlehrer Scholter wurden schon vor dem 1. Weltkrieg Sammlungen zu Gunsten eines Kirchenbaues durchgeführt.
Die angesparte, ansehnliche Summe wurde jedoch 1923 durch die Inflation vollständig entwertet. Weitere Sammlungen zwischen
den beiden Kriegen fielen 1948 der Währungsreform zum Opfer.

Aber jetzt ging es zur Sache!
1939 wurde der Kirchen.- und Baufonds Robern gegründet, dem die Verpflichtung auferlegt wurde, für den Neubau und die Unterhaltung einer Kirche aufzukommen. 1954 kam der Kirchenbauverein dazu.
Im gleichen Jahr ordnete das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg den Erwerb eines geeigneten Platzes an.
In diesem Punkt gingen nun die Meinungen etwas auseinander. Im Gespräch waren (nach Wissen des Autors)
- das Gelände von Karl und Valentin Bechtold (gegenüber dem Rathaus)
- das Gelände am Ortsausgang Richtung Krumbach.
Aber auch immer wieder der Pachthof, auf den man sich schließlich einigte. Damit ging auch der Wunsch von Bgm. Valentin Schreibeis in Erfüllung, der diesen oft während seiner Amtszeit und noch am Sterbebett aussprach.
Nach der Einweihung des neuen Schulhauses am 14.07.1955 konnte der Pachthof für diese Zwecke freigemacht werden.
Am 25. Mai 1956 wurde der Kaufvertrag zwischen de Gemeindeverwaltung Robern und dem Kirchen- und Baufonds Robern abgeschlossen.
Das Gebäude wurde zum Preis von 2950,-DM gekauft, wobei sich die politische Gemeinde verpflichtete, jährlich DM 500,- zu stiften, so dass nach 6 Jahren der Kaufpreis wieder beglichen war.
Am 02. Februar 1956 war eine Abordung aus Robern zusammen
mit Pfr. Heintzmann in Freiburg, um wegen der Genehmigung des Kirchenbaues vorzusprechen.
Im Juli 1956 wurde der Bauplan genehmigt, der m.W. von Herrn Steinbach aus Mosbach gefertigt und von Architekt Valentin Schmitt, Mosbach unterschrieben wurde. Dieser übernahm auch die Bauleitung.
Mit dem Abbruch des Pachthofs wurde im August 1956 begonnen und duch die Fa.Mackmull aus Muckental und viele freiwillige Helfer aus Robern ausgeführt. Gearbeitet wurde z.T. bis spät in die Nacht hinein.Das Gebäude wurde bis auf die Kellerdecke abgetragen. Nach aufmauern der Fundamente konnte man am 16.09.1956 die feierliche Grundsteinlegung duch Dekan Josef Krämer, Mosbach begehen. ( Bilder 2 - )
Die Fertigstellung des Rohbaues machte gute Fortschritte und konnte noch rechtzeitig vor Einbruch des Winters 1956/1957 erfolgen.

Nun blieb noch die Frage offen, wem die Kirche geweiht werden sollte...
Dazu wurden schon 1956 Überlegungen angestellt. Es gab dazu viele Meinungen und Wünsche. Schließlich einigte man sich auf den Vorschlag von Pfarrer Johannes Heintzmann, dass die Kirche Papst Pius dem X. geweiht werden sollte - und zwar aus
folgenden Überlegungen:
Die monatlichen Gottesdienste im alten Pachthof wurden an einem Altar gefeiert, der von einem Bild - der Kopie
des Abendmahls von Fugel überragt wurde.
           
Papst Pius der X. war es, der die Frühkommunion der
Kinder und auch den öfteren Empfang der Kommunion
erließ. Daher war er geradezu dafür prädestiniert Patron
unserer Kirche zu werden, die auch nach Vollendung
- bis heute- das gleiche jedoch erweiterte Altarbild tragen
sollte. Diese Argumente wurden allgemein akzeptiert
zumal Papst Pius der X. erst Mai 1954 heilig gesprochen
wurde. Daher wurde entschieden ihn als Kirchenpatron
zu wählen. Nebenpatrone sind noch: das heilige Herz Jesu,
Herz Maria und Johannes der Täufer.

Nun war der Rohbau in einem knappen halben Jahr erstellt worden. Mit dem Innenausbau ging es nicht so rasch voran. Der bauleitende Architekt Val. Schmitt zog von Mosbach weg nach Kupferzell bei  Künzelsau. Architekt Anton Pichl aus Obrigheim  übernahm nun diese Aufgabe.
Mit dem Innenausbau wurde im Sätherbst 1957 begonnen.

Missionsbischoff Augustin Olbert war es, der am 18. Mai 1958 unsere Kirche feierlich einweihte.

Einige (bau)finanzielle Daten:
Die Kirche wurde zu einem Gesamtpreis von DM 120000,- fertiggestellt, wobei sich die Kosten für Rohbau und Innenausbau in etwa die Waage hielten.
Finanziert wurde das Ganze duch Haussammlungen, bei denen
- die erste fast DM 20000,-
- eine zweite DM 10000,- einbrachte.
40000,- DM kamen als Zuschuss aus Kirchenmitteln von Freiburg dazu.
Weitere Einnahmen bezog man aus Veranstaltungen wie Bazars, Theateraufführungen, den Verkauf von sog. Bausteinen in Robern und den umliegenden Gemeinden, sowie aus den monatlichen Beiträgen des Kirchenbauvereines, dem fast alle Roberner beigetreten
waren und bis zum Schluß treu blieben.

Unsere Kirche wäre sicher um einiges teurer geworden, ohne die großzügigen Spenden von Firmen und von privater Seite.
Es wurden gestiftet:
- das große Chorfenster von Fa Anton Grimm, Krumbach
- Altar und Tabernakel von Karl Friedel (USA)
- die Turmuhr von Badenia Werk, Limbach
Das Altarbild, eine Kopie des Abendmahl von Fugel wurde von Hr.Pfarrer Walz aus Sulzbach (der später in Trienz gewohnt hat) gemalt, zur heutigen Größe um die zwei Flügel erweitert und ist ebenfalls von ihm gestiftet.
Dazu kommen weitere Spenden von
Roberner Auswanderern aus USA, sowie einer großen Anzahl unbenannter Spender.

Ein weiterer Grund zu Freude und zum Feiern war der Glockenguß bei der
Firma Schilling in Heidelberg und die feierliche Einholung und Einweihung im Dezember 1962.
1979 konnte dann auch die neue Orgel mit einem Festgottesdienst und einem Orgelkonzert in Betrieb genommen werden. Das bis dahin dankenswerterweise zur Verfügung gestellte Harmonium hatte nun ausgedient.

Qellenhinweis:
Auszug aus der Rede des PGR Fritz Kohl anlässlich 30 Jahre St. Pius X. Kirche in Robern am 2./3.09.1989
Bilder z.T. entnommen aus der Festschrift zur Einweihung der Kirche.


Bild 1 Wohnhaus des ehem. Pachthofes

 

Bild 2: Grundsteinlegung

 

Gemeinde bei der Grundsteinlegung.

Mehr Bilder rund um den Kirchenbau können HIER betrachtet werden.