Chronologie zum Kirchenbau
Textauszug aus dem „Trienzer Heimatbuch“
mit freundlicher Genehmigung des Heimatvereines Fahrenbach e.V.
Der Kirchenbauverein - Die neue kath. Kirche
Zu allen Zeiten mußten die Katholiken unseres Dorfes bei Gottesdiensten, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen „auswärts". Ehe die Pfarrei Fahrenbach gegründet wurde, gehörte Trienz bis August 1897 zur großen Odenwaldpfarrei Limbach. Es ist daher verständlich, daß seit Jahrhunderten in den Herzen der Trienzer Katholiken der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus schlummerte. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging man ernstlich daran, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Ausgerechnet in einer Zeit, in der die Not riesengroß war, sich die Sorgen in den einzelnen Familien wie unbezwingbare Mauern auftürmten, wo Kleidung und Hausrat neu zu beschaffen, die stark ramponierte Ernährung wieder ausgeglichen werden mußte, wo vertriebene Menschen aus dem Osten in unserem Dorf aufgenommen wurden und der Wohnraum knapp bemessen war, reifte der Gedanke an einen Kirchenbau. Geld war da genügend vorhanden, aber es hatte keinen Wert. Eine Geldentwertung stand bevor und schien alle Pläne eines Kirchenbaues zu zerschlagen. In dieser relativ ungünstigen Zeit wurde auf Initiative von Justizrat Weisser aus Mosbach der Kirchenbauverein im Jahre 1946 gegründet. Erster Vorstand wurde der damalige Bürgermeister Eugen Rhein, zweiter Vorstand und zugleich Rechnungsführer wurde der Ratschreiber Hugo Schönig, und der Architekt Alfred Nohé war der erste Schriftführer. Unterm 20. Juli 1947 ist im Kassenbuch die erste Spende in Höhe von 1000 Mark verzeichnet. Spender war Justizrat Weisser. Das sollte auch für einige Jahre die einzige Spende sein. Durch die Währungsreform im Juni 1948 waren aus den tausend Mark nur noch 50 Deutsche Mark geworden. Im gleichen Jahre erfolgte im August die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister beim Amtsgericht Mosbach. Wer dachte zu diesem Zeitpunkt noch an den Bau einer Kirche? Und dennoch: Es ging aufwärts! Am 29. März 1950 feierte Pfr. Heintzmann im Gasthaus zur „Pfalz" erstmals in Trienz das heilige Opfer. Ab 1951 war dann neben dem Gottesdienst der Fastenzeit auch noch der im Advent hinzugekommen, und sobald die Gemeindeverwaltung im Jahre 1953 den Bürgersaal des Rathauses zur Verfügung stellte, konnte dort monatlich einmal die hl. Messe gefeiert werden. Eine Sammlung zu freiwilligen Spenden für einen Altar hatte Erfolg. Mit viel Geschick und fachlichem Können hatte Artur Zimmermann in zahllos geopferten Freistunden einen Altar gebaut, der nicht nur allen gefiel, sondern auch seinen gewünschten Zweck erfüllte. Indessen ging der Plan, in Trienz eine Kirche zu bauen nicht unter.
Am 29. Juni 1954 beschloß eine einberufene Genera1verrsammlung, eine Delegation von vier Herren (Nohé, Rhein, Scheuermann, Schönig) nach Neckargemünd zu schicken, um mit dem Juwelier Georg Gramm wegen eines Bauplatzes in Verhandlung zu treten. Dieser Juwelier war Eigentümer eines Bauplatzes in Trienz. Und eben dieser Platz war seiner zentralen Lage wegen eine ideale Lösung. Acht Tage später, am 6. Juli 1954, wurde der Kaufvertrag notariell beurkundet und bezahlt. Bezahlt mit geliehenem Geld! Eine einmalige Umlage tilgte diese Schuld. Ab 1. November 1954 wurden - nach sozialen Gesichtspunkten abgestuft – regelmäßige Monatsbeiträge erhoben, der Verein als „eingetragener Verein" geführt. In den folgenden Jahren wurden alle Möglichkeiten ergriffen, das Guthaben zu erhöhen und den Kirchenbau voranzutreiben. Da wurde Theater gespielt, Basare und Weihnachtsfeiern abgehalten, ein Dichterabend mit dem Heimatdichter Trunk aus Krumbach durchgeführt. Geschäftsleute, Bekannte, Freunde, Gönner und Verwandte angesprochen oder angeschrieben, nichts war den Mitgliedern zu viel. Mit steigendem Konto nahm der Kirchenbau immer mehr greifbare Formen an, wie aus nachstehenden Daten ersichtlich ist:
-
25. Jan. 1956: Erstes Schreiben an das Erzbischöfl. Ordinariat Freiburg
-
3. Juni 1958: Erste persönliche Vorsprache in Freiburg zur Baugenehmigung
-
26. Sept. 1958: Zweites Schreiben an Erzbischof Dr. Hermann Schäufele, Freiburg
-
6. Dez. 1958: Eingang der vorläufigen Baugenehmigung durch Freiburg
-
4. Febr. 1959: Zweite Vorsprache beim Ordinariat Freiburg
-
11. Aug. 1959: Endgültige Baugenehmigung durch Freiburg
-
8. Aug. 1959: Erster Spatenstich durch Pfr. Johannes Heintzmann Fahrenbach und die Vertreter der einzelnen Stände (Eugen Rhein für die Männer, Luise Frauenschuh für die Frauen, Norbert Schüßler für die Jungmänner und Anneliese Diemer für die Jungfrauen)
-
20. Sept. 1959: Feierliche Grundsteinlegung unserer Kirche
-
28. Nov. 1959: Tag des Richtfestes
-
2. Dez. 1959: Tödlicher Unglücksfall unseres Mitgliedes Friedlich Achtstätter (Sturz vom Dach auf die Empore)
-
6. Juni 1960: Pfingstmontag: Hochfest der Einweihung unserer Kirche durch den Missionsbischof Augustin Olbert SVD. Dabei Aufführung einer Orchestermesse „Salve Regina Pacis'' von Heinrich Huber (aufgeführt vom Kirchenchor Fahrenbach und dem Orchester Neckarelz unter der Leitung von Oberlehrer Fritz Schneider)
-
Frühjahr 1962: Erwerb eines Grundstückes zur Schaffung eines Kirchengemeinde- zentrums
-
30. Nov. 1962: Glockenguß in Heidelberg bei der Firma Schilling
-
29. Dez. 1962: Abholung der Glocken in Heidelberg
-
1. Jan 1963: Weihe der Glocken durch Dekan Krämer, Mosbach
-
7. Jan. 1963: Montage der Glocken im Turm
Damit war das erste gesteckte Ziel erreicht, die Arbeit an der weiteren Verschönerung des Gotteshauses jedoch nicht beendet. So mußten die Kirchentüren mit Kupfer beschlagen werden, Bänke waren zu beschaffen, ein zum Altar passender Kreuzweg war notwendig und die Kirchenheizung mußte anders gelegt werden. Eine weitere Aufgabe erwächst dem Kirchenbauverein in der Erstellung eines geeigneten Raumes für Zusammenkünfte aller Art.
Durch den Tod zweier verdienstvoller aktiver Mitglieder (Hugo Schönig 1964 und Alfred Nohé 1967) wurden deren leitende Stellungen im Verein durch Ratschreiber Kurt Schönig und Zimmermeister Herbert Nohé neu besetzt. In der Generalversammlung vom März 1971 wurde die Vorstandschaft in einigen Stellen neu besetzt. Den Vorsitz führten Herbert Nohé, Stellvertreter ist Karl Albert, Geschäfts- und Rechnungsführer bleibt Kurt Schönig. Beiräte sind die Herren Hermann Schüßler, Kurt Zimmermann, Richard Schilling und Fritz Schneider.
Im Frühjahr 1962 konnte ein Grundstück unweit der neuen Kirche erworben werden zur Schaffung eines Kirchengemeindezentrums für geeignete Räume zu Zusammmenkünften aller Art. Das Gemeindehaus wurde 1973/74 gebaut, war zunächst nur Kommunikationszentrum für die kath. Kirchengemeinde, ist aber nun freigegeben für alle Vereine für deren Veranstaltungen gegen Zahlung einer Pauschalgebühr.









